Hinrich Wilhelm Kopf muss jetzt neu bewertet werden

„Man wird das Leben von Hinrich Wilhelm Kopf, Sozialdemokrat und erster Ministerpräsident Niedersachsens, neu bewerten müssen.“ Das schlussfolgern die SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder und die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages Gabriele Andretta nach der Vorstellung der Biografie „Hinrich Wilhelm Kopf – ein konservativer Sozialdemokrat“ der Historikerin Teresa Nentwig.

Johanne Modder

Das Buch ist am Donnerstag von Ministerpräsident Stephan Weil vorgestellt worden. Johanne Modder: „Die heute vorliegenden Ergebnisse werfen kritische Fragen auf, auf die wir Antworten brauchen.“ Sicher sei, dass Hinrich Wilhelm Kopf den Landtag und die Öffentlichkeit nach dem Krieg über seine Arbeit während der Zeit des verbrecherischen NS-Regimes belogen habe.

„Es besteht offenbar kein Zweifel mehr daran, dass Hinrich Wilhelm Kopf sich in den Diensten des verbrecherischen NS-Regimes schuldig gemacht hat“, sagt die Landtagsvizepräsidentin Gabriele Andretta.

Die Historikerin Teresa Nentwig hat recherchiert, dass Hinrich Wilhelm Kopf während der deutschen Besatzung Polens von 1939 bis 1944 als Mitarbeiter der nationalsozialistischen Behörde „Haupttreuhandstelle Ost“ (HTO) an der Verwertung des Vermögens der verfolgten und ermordeten jüdischen Bevölkerung Polens beteiligt war und von dieser Arbeit auch persönlich profitiert hat. Die HTO war 1939 auf Anweisung Hermann Görings zur Ausbeutung der von Deutschen besetzten Gebiete in Osteuropa gegründet worden.

„Mitläufer wie Hinrich Wilhelm Kopf haben dazu beigetragen, dass das nationalsozialistische Unrechtsregime alle Bereiche des Lebens durchdringen und in den besetzten Gebieten während des 2. Weltkrieges eine brutal-effiziente Verwaltung aufbauen konnte“, sagt Johanne Modder. Kopf habe über seine enge Verstrickung in die NS-Verwaltung nach dem Krieg die Unwahrheit gesagt.

Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftlerin Teresa Nentwig müssten dazu führen, dass sich die historische Kommission für Niedersachsen und Bremen jetzt ausführlich mit der Bewertung der Person Kopf und seines Lebens auseinandersetzt. „Wir brauchen eine ehrlich zu führende öffentliche Debatte über diese dunkle Vergangenheit von Hinrich Wilhelm Kopf“, betont Landtags-Vizepräsidentin Gabriele Andretta. Und weiter: „Wir sind mit dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte noch lange nicht fertig. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Denkmäler vom Sockel zu heben.“

Johanne Modder betont: „Ich bin froh, dass die Historikerin Teresa Nentwig sich so akribisch und ausführlich mit dem Leben und der Arbeit von Hinrich-Wilhelm Kopf beschäftigt hat. Er hat sich unbestreitbare Verdienste beim demokratischen Aufbau in Niedersachsen nach dem 2. Weltkrieg erworben. Das kann uns aber nicht davon abhalten, ihn kritisch zu sehen.“

Modder begrüßt die Bitte von Ministerpräsident Stephan Weil an die Historische Kommission, sie möge Vorschläge für den zukünftigen Umgang mit der Person Hinrich Wilhelm Kopf machen.