„Finger weg vom Abitur nach neun Jahren, Herr McAllister!“

Detlef Tanke

Detlef Tanke

 

Niedersachsens SPD-Generalsekretär Detlef Tanke warnt vor den schulpolitischen Beschlüssen der CDU in Niedersachsen auf dem anstehenden Landesparteitag am Wochenende. Vor allem die Stimmungsmache gegen Gesamtschulen und die Position zum Abitur nach neun Jahren alarmieren den Generalsekretär. Tanke: „Die CDU will zurück zur Diskriminierung der Gesamtschulen. Diese Schulform ist aber außerordentlich beliebt bei Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern."

 

Gesamtschulen werden stark angewählt, immer mehr Familien entscheiden sich für diese Schulform. Es ist ein Schlag ins Gesicht dieser Familien, dass sie von der Niedersachsen-CDU wieder zu Schülerinnen und Schülern sowie Eltern zweiter Klassen degradiert werden sollen“, so Tanke. Die Gleichstellung der Gesamtschulen mit anderen Schulformen durch das neue Schulgesetz sei ein historischer Schritt gewesen. „Mit der Rückstufung zur ergänzenden Schulform will die CDU das längere gemeinsame Lernen an den Gesamtschulen verhindern. Dort heißt es leider nach wie vor: lieber separieren als integrieren.“

Mit Sorge betrachtet Tanke, dass möglicherweise die Wiedereinführung des Turbo-Abis durch die Hintertüre geplant sei. „‘Im eigenen Tempo zum Abitur‘ - das klingt gefährlich nach zurück zu G8 und wieder mehr Stress für Schülerinnen und Schülern sowie Familien. Nach der fatalen Einführung des alten Turbo-Abis mit der Brechstange bereitet die niedersächsische CDU jetzt augenscheinlich ein neues Turbo-Abi durch die Hintertüre vor. Da kann ich nur sagen: Finger weg vom Abitur nach neun Jahren, Herr McAllister!“

„Mit großer Zustimmung der Schüler-, Lehrer- und Elternverbände ist das neue Schulgesetz vor der Sommerpause verabschiedet worden. Nach jahrelangem Stillstand im niedersächsischen Bildungssystem hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt endlich durchgreifende Reformen angepackt und größtenteils bereits umgesetzt“, so der Generalsekretär. Da lasse es am gesunden Menschenverstand zweifeln, wenn nun eine Rückkehr zu alten Strukturen propagiert werde.

Insgesamt sei der CDU-Leitantrag zur Bildungspolitik ein ideenloses Dokument der Widersprüchlichkeit. Es passe nicht zusammen, wenn die CDU auf der einen Seite erkläre, sie wolle im Falle einer Regierungsübernahme die Reformen der rot-grünen Landesregierung wieder rückgängig machen, aber gleichzeitig ihr Landesvorsitzender mehr Ruhe in der Schulpolitik fordert „Einerseits fordert die CDU Ruhe an den Schulen, andererseits schüren die Christdemokraten Unsicherheit und Ängste. Diesen Spagat hält Herr McAllister nicht durch, das ist zu durchschaubar“, so Tanke.

Bei der Inklusion falle die CDU mit Ihrem Leitantrag im Übrigen hinter ihre Position zur Einführung zur inklusiven Schule im Jahre 2012 deutlich zurück, stellt Tanke mit Bedauern fest: „Mit der Rolle rückwärts bei der Inklusion zeigt die CDU, dass sie kein Stehvermögen hat. Inklusion ist ein Prozess, der nicht von jetzt auf gleich abgeschlossen ist. Sich wegzuducken, weil Inklusion keine einfache Aufgabe ist, ist kein Beitrag, um die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen erfolgreich mit voran zu treiben.  Es ist bedauerlich, dass sich die Konservativen aus der Gestaltung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe heraushalten wollen.“

 
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