StartBetriebsräte ohne Frauen – geht nicht und gibt’s nicht!

Betriebsräte ohne Frauen – geht nicht und gibt’s nicht!

Groskurt, Ulla

Ulla Groskurt

05. März 2010 0 Kommentare

Zum Beginn der Betriebsratswahlen im Jahre 2010 erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) in Niedersachsen Ulla Groskurt: Liebe Kolleginnen, liebe Frauen, es sind wieder Betriebsratswahlen und ich hoffe – alle gehen hin und viele von euch bewerben sich für ein Mandat im Betriebsrat. Eine Untersuchung des DGB zeigt, dass überall dort, wo Betriebsräte aktiv sind und die Chancengleichheit im Betrieb unterstützen, auch positive Fördermaßnahmen

im Betrieb entstehen. Da sich nach den letzten Betriebsratswahlen die gesetzliche Regelung, dass jedes Geschlecht, das in der Belegschaft in der Minderheit ist, im Betriebsrat mindestens entsprechend seinem zahlenmäßigen Verhältnis vertreten sein muss, positiv auf die Anzahl der weiblichen Betriebsräte ausgewirkt hat, haben wir berechtigte Hoffnung, dass die Bestimmungen mit Leben erfüllt werden.

Wir leben mit einer Rekordarbeitslosigkeit. Zynisch muten die rechnerisch richtigen Meldungen an, dass in den letzten Jahren mehr Frauen als Männer wieder einen Arbeitsplatz erhalten haben. Dies war und ist nur möglich, weil vor allem Frauenarbeitsplätze in immer kleinere, zum Teil versicherungsfreie Häppchen zerstückelt werden. Der Trend, Vollzeitarbeitsplätze in 400 €-Jobs umzuwandeln, blüht erst jetzt so richtig auf. Aus der Ausnahme wird die Regel. Ganze Firmen werden entsprechend umstrukturiert.

Für die Frauen hat diese Teilung ihrer Arbeitsplätze sowohl individuell als auch gesellschaftlich unakzeptable Folgen. Viele Frauen müssen jedoch diese Art von Jobs annehmen, weil sie keine Alternative haben. Aus gesellschaftlicher und auch aus der Verantwortung den betroffenen Frauen gegenüber müssen wir die Sozialversicherungspflicht für jegliche Art von Beschäftigung fordern. Auch gering Verdienende haben ein Recht auf versicherungs- und arbeitsrechtlichen Schutz.

Was wir brauchen, sind mehr und neue, sozial gesicherte Arbeitsplätze durch gerechte Verteilung der Arbeitszeit.

Es hängt viel davon ab, dass fitte Gewerkschafterinnen, Betriebsrätinnen die im Betriebsverfassungsgesetz bestimmten Möglichkeiten der Förderung der Chancengleichheit und der Familienfreundlichkeit einfordern. die Umsetzung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes verlangen, das vor allem Müttern und Vätern die Möglichkeit einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung ermöglicht und die neue Regelung der Elternzeit propagieren, die den unterschiedlichen Bedürfnissen junger Eltern entgegenkommt und die Unterschiedlichkeit der Familienformen berücksichtigt.

Es ist unsere Aufgabe als Frauen darauf aufzupassen, dass wir nicht nur in diesem Kampf, sondern auch bei der Verteilung des Erreichten gleichberechtigt beteiligt werden.Nach hundert Jahren wird es Zeit, die Forderung der Frauen nach „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ endlich in die Tat umzusetzen. Es waren immer die Frauen, die den sozialpolitischen Fortschritt angestoßen und weiterbewegt haben.


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