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SPD fordert Forum zur Zukunft der Kommunen in Niedersachsen

Olaf Lies

Olaf Lies

15. Juli 2010 1 Kommentar

SPD-Landeschef Olaf Lies hat Innenminister Uwe Schünemann dazu aufgefordert, bei der Debatte über die zukünftigen Kommunalstrukturen in Niedersachsen auf einen Stil der Kooperation und Zusammenarbeit einzuschwenken und im Rahmen eines Forums zur Zukunft der Kommunen in Niedersachsen über die Perspektiven der Kommunalen Selbstverwaltung im Land zu beraten. Lies bemängelte, dass die Ergebnisse des so genannten Hesse-Gutachtens vorgestellt worden seien, ohne dass

die verantwortlichen Kommunalpolitiker der betroffenen Städte, Gemeinden und Landkreise sowie die Mitglieder des Landtags aus den Regionen über die einschneidenden Befunde informiert gewesen seien. „Schünemann geht den falschen Weg: Er zeichnet erst Karten und spricht nicht über die Aufgaben der Kommunalen Selbstverwaltung. Dass Landräte dann morgens von der Presse gefragt werden, wie sie zur Auflösung ihres Landkreises stehen, ohne dass sie die die Gelegenheit hatten das Gutachten zu studieren, ist schlicht unwürdig.

Das Vorgehen von Schünemann belastet leider erneut das Vertrauensverhältnis zwischen Land und Kommunen“, sagte der SPD-Landesvorsitzende heute in Sande. Lies formulierte das Angebot an Schünemann, im Rahmen eines Forums zur Zukunft der Kommunen in Niedersachsen mit den Kommunalen Spitzenverbänden über die Anforderungen an die kommunale Verwaltungs- und Gebietsorganisation zu beraten. Diesem Forum sollten alle im niedersächsischen Landtag vertretenden Parteien sowie die Kommunalen Spitzenverbände und versierte Wissenschaftler angehören.

„In dem Hesse-Gutachten wird die Hoffnung geäußert, dass `sich mit Blick auf diese Schlüsselfragen der Landesentwicklung auch eine „große“ Koalition insofern [ergibt], als sich Landesregierung wie Opposition auf ein abgestimmtes Verfahren einigen – zum Wohl des Landes und seiner künftigen Handlungs- wie Leistungsfähigkeit’. Schünemann sollte diesen Ratschlag aufnehmen, damit Politik, Verwaltung und Wissenschaft einen gemeinsamen, verantwortungsvollen Weg in dieser existenziellen Frage gehen können.

Die SPD fordert einen echten Dialog über die Aufgabenwahrung, den Zuschnitt und die Finanzausstattung mit allen Beteiligten und ist bereit, konstruktive Beiträge zu leisten. So lässt sich Akzeptanz für zukunftsfähige Lösungen schaffen. Wenn Schünemann hingegen über die Köpfe der Verantwortlichen und der Menschen hinweg entscheidet, blockiert er den Fortschritt auf Jahrzehnte.“

Nach Lies’ Ansicht müsste in einem solchen Forum ein besonderes Augenmerk auf die regionalen Wirtschafts- und Sozialräume sowie auf die besonderen kulturhistorischen Prägungen der niedersächsischen Kommunen gelegt werden. Auf dieser Grundlage könne dann seriös über mögliche Zuschnittsszenarien mit den Beteiligten diskutiert werden. Lies erinnerte daran, dass die Probleme der Kommunen vor allem in der Finanzausstattung lägen.

„Hier ist es diese Landesregierung, die durch den Griff in den kommunalen Finanzausgleich und mit ihrer Zustimmung zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz eine aufgabengerechte Finanzausstattung verhindert. Anstatt sich für den Erhalt der Gewerbesteuer einzusetzen und als Niedersächsische Landesregierung dem Bundesfinanzminister deutlich zu zeigen, wo die Grenzen sind, hört man von McAllister, Möllring und Schünemann kein Wort“, so Lies. Jetzt den Kommunen die Schuld in die Schuhe zu schieben und ihnen vorzuwerfen, den unausgegorenen Weg der freiwilligen Fusion nicht mitzugehen, sei frech und unverantwortlich.


KommunalpolitikNiedersachsen

 

1 Kommentar zu SPD fordert Forum zur Zukunft der Kommunen in Niedersachsen


Norbert Schwidder

1

am 27. Juli 2010 um 00:52 Uhr

Die kommunalen Erfahrungen von Olaf lassen ihn den ganzen Vorgang um das Hesse-Gutachten zutreffend kommentieren.
Wir haben in Lüchow-Dannenberg seit 2003 mit einer Landesregierung zu kämpfen, die unsere Verschuldungssituation ausnutzen wollte, um uns als Pilotprojekt für landesweite "freiwillige" Fusionen innerhalb des Landkreises zu drangaslieren. "Freiwillige Zielvereinbarungen" aus diesen Jahren drücken uns noch heute wie Mühlsteine, weil sich gegen diese Verträge auch schwerer klagen lässt als gegen Landesweisungen.
Der damalige CDU-Landrat und sein 1. Kreisrat waren als wissende Helfer vom NMI Schünemann eilfertig dabei. Hatten sie doch vorher als SG-Direktor und 1. SG-Rat der damaligen Samtgemeinde (SG) Dannenberg kräftig an der Verschuldung unserer Kommunen mitgewirkt und viel Kenntnis von Details, die das Land nie alleine erfahren hätten. Als Ergebnis haben wir seit 2006 aus 4 SG nun 2 gemacht (neben der 3, die unverändert blieb). Die neuen 2 SG schlagen sich aber ebenfalls mit den vielen Aufgaben - auch des Landes - herum und kommen dank der von Olaf zurecht kritisierten Landespolitik auch finanziell nicht weiter.
Ich freue mich auf die weitere Diskussion mit euch, auf dass wir es ab 2013 landesweit kommunalfreundlich - weil besser - regeln können.
Euer Norbert Schwidder, KTA & Stadt-Fraktionsvorsitzender aus Dannenberg


 

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