Traditionelles Medizinstudium gehört auf den Prüfstand
Gabriele Andretta
08. April 2010
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Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), mit der Abschaffung der Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium (Numerus Clausus) dem Ärztemangel auf dem Lande zu begegnen, greift nach Ansicht der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag zu kurz. „Wir begrüßen zwar die von Rösler angestoßene Diskussion. Allerdings ist sein Vorschlag nicht geeignet zur Therapie des diagnostizierten Problems. Die Abschaffung des Numerus Clausus schafft keinen einzigen zusätzlichen Studienplatz,
sagte Gabriele Andretta, stellvertretende Vorsitzende und hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Sie fordert stattdessen die Bundesländer dazu auf, das Medizinstudium zu reformieren und die Einführung der Bachelor-Master-Struktur auch in Medizinstudiengängen zu beschließen. „Nur 60 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums entscheiden sich für den Arztberuf, 40 Prozent wählen einen Berufsweg in der Industrie oder der Verwaltung. Das zeigt wie mannigfaltig und differenziert die beruflichen Einsatzfelder für Mediziner sind. Darauf muss das Studium reagieren. Das traditionelle Medizinstudium hat ausgedient“, sagte Andretta.
Ein Studium innerhalb der Bachelor-Master-Struktur könne auf die Breite der Einsatzfelder reagieren und helfen, zusätzliche Studienplatzkapazitäten für diejenigen angehenden Mediziner zu schaffen, die tatsächlich Arzt werden wollen .„Der Abschluss eines Bachelor of Science in Humanmedizin qualifiziere dann zwar nicht zu einer ärztlichen Tätigkeit: Er würde aber die Voraussetzung zur Ausübung anderer Berufe im Gesundheitswesen schaffen“, führte Andretta aus. Als Beispiele führte sie Tätigkeiten im Bereich des Managements, des Marketings, der Öffentlichkeitsarbeit, des Vertriebs und des Außendienstes sowie im Bereich von Forschung und Entwicklung oder der medizinischen Informatik an. Auch journalistisch-redaktionelle und administrative Tätigkeiten könnten ausgeübt werden.
Andretta sieht die Initiative der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität als Vorbild. Diese plant als erste deutsche Universität in Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen einen europäischen, Bachelor-Master-gestuften Studiengang Humanmedizin einzuführen. Der europäische Studiengang soll gestuft werden in einen Bachelorstudiengang mit einem berufsqualifizierenden ersten Hochschulabschluss für Tätigkeiten außerhalb des Arztberufs und einen Masterstudiengang, dessen Abschluss den Zugang zum Arztberuf ermöglicht. Das Konzept der Universitäten Oldenburg und Groningen werde derzeit vom Wissenschaftsrat begutachtet.
Gesundheit
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