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Erika Mann: Europa muss Verantwortung für Tierversuche übernehmen

Erika Mann
05. Mai 2009 0 Kommentare

Heute stimmt das Europäische Parlament über die Richtlinie zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke „verwendeten" Tiere ab.

Erika Mann hatte hierzu im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) eine Reihe von Änderungsanträgen eingereicht, in der die niedersächsische SPD-Europaabgeordnete auch die Belange des international anerkannten Deutschen Primatenzentrums in Göttingen berücksichtigte.

Bislang sei Hirnforschung ohne Versuche an nichthumanen Primaten wie Makaken und Rhesus-Affen leider nicht denkbar. Und bislang besteht die Notwendigkeit, wissenschaftliche Testreihen an nichthumanen Primaten bei der Entwicklung von Impfstoffen durchzuführen. „Die drohende Pandemie der Schweinegrippe führt uns gerade vor Augen, was dies für die Menschheit bedeutet“, so Erika Mann. Mit einem generellen Verbot kämen äußerst wichtige Forschungsfelder wie die Krebs-, Parkinson- oder Alzheimerforschung ins Stocken. Fortschritt bliebe aus, beziehungsweise auf das nichteuropäische Ausland beschränkt. „Wir müssen uns deshalb die Frage stellen, welches Handeln ethisch und moralisch verantwortlich ist: bestimmte, ausgewählte wissenschaftliche Versuche zuzulassen oder diese zu verbieten“, sagt Erika Mann.

Sowie wir eine Alternative haben, sollten wir selbstverständlich Primatenversuche verbieten. Bis dahin aber wäre ein Verbot innerhalb von Europa nur die Verdrängung einer Verantwortung. Erika Mann: „Ich bin der Meinung, dass wie diese Verantwortung tragen müssen und nicht in andere Länder wie China abschieben dürfen. Wir müssen sie tragen, weil in vielen Teilen der Welt die Tierschutz-Auflagen weitaus schlechter sind als in Deutschland und Europa.“

Das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen ist weltweit mit führend. „Die deutsche Politik hat bereits hohe Standards bei Tierversuchen eingeführt, die weit über der 1986 verabschiedeten EU-Richtlinie 86/609 liegen. Das hat den internationalen Erfolg der Göttinger Wissenschaftler nicht geschmälert“, betont Erika Mann. Jetzt dürfe diese Leistung nicht durch unnötige Hemmnisse und bürokratische Hürden oder gar Verbote auf EU-Ebene konterkariert werden.

Probleme sieht die Europaabgeordnete aber auch in Deutschland durch mögliche Einschränkungen der Grundlagenforschung, wie bereits 2008 an der Universität Bremen bei der Primatenforschung des führenden Neurowissenschaftlers Andreas Kreiter geschehen. Erika Mann: „Angewandte Forschung ist ohne Grundlagenforschung nicht möglich, dies dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.“

Die neue Richtlinie darf aus Sicht von Erika Mann keine unnötigen Hemmnisse einführen und darf gegenüber dem amerikanischen und asiatischen Ausland keine Wettbewerbsverzerrungen verursachen. Dies bedeute nicht zwangsläufig, dass deshalb Versuchstiere mehr leiden müssten. Erika Mann unterstützt die EU-weite konsequente Anwendung des 3R-Prinzips (Replacement, Reduction and Refinement). Hiernach muss die Verwendung von Versuchstieren vermieden, verbessert und vermindert werden. Bisher wird das 3R-Prinzip noch nicht EU-weit angewandt.


EuropaWissenschaft / Forschung

 

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